Ein Kuss, der sehr viel tiefer geht

Ich lag an einem abgeschiedenen Ufer eines kleinen Sees. Mein Blick ruhte auf den kleinen glitzernden Wellen des klaren Wassers. Die Sonnenstrahlen wärmten meinen Körper und ich genoss jeden Reiz der auf mich einflutete. Das Rauschen der Blätter im zarten Sommerwind, der weiche Stoff meiner Decke, die meinen Körper sanft im Gras bettete, der süß-klebrige Duft von blühenden Büschen.

Ich wusste, dass ich hier ungestört war, denn hohe, wild gewachsene Hecken schützten mich von neugierigen Blicken. So ließ ich mich treiben, schloss die Augen und wartete auf meinen Geliebten.

Leises Rascheln hoher Grashalme ließ mich aufhorchen. Der süßeste Duft auf Erden kündigte seine Ankunft an. Bedächtig öffnete ich die Augen und erblickte einen wohlgeformten Körper neben mir sitzen. Das vertraute Lächeln in seinen ebenmäßigen Zügen ließ mein Herz schneller schlagen und ich schmolz unter seinem liebevollen Blick dahin.

„Ich hatte gehofft dich hier zu sehen“, flüsterte ich ihm voller Erwartungen zu.

„Meine Liebste, an diesem wunderschönen Ort konnte ich nicht widerstehen.“ Seine tiefe Stimme vibrierte in meinen Ohren und ein leichtes Seufzen entglitt meinen Lippen.

Er beugte sich zu mir und strich mir sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht. Eine Gänsehaut bildete sich auf meinen Armen und breitete sich über den ganzen Körper aus. Mir wurde warm ums Herz und ich spürte das aufgeregte Flattern in meinem Bauch. Ich liebte dieses Gefühl, dass er in mir auslöste. Ich war süchtig danach, verzerrte ich mich doch nach ihm, wenn er nicht bei mir war.

Mein Blick glitt von seinen stahlblauen Augen zu seiner geradlinigen Nase, die in den sinnlichsten Lippen endete, die ich jemals gesehen hatte. Der drei-tage-Bart verlieh ihm etwas raues, verwegenes. Unbewusst leckte ich über meine trockenen Lippen. Das Verlangen ihn zu berühren wurde schier unerträglich.

„Warum warst du solange fort?“ Ich biss mir auf die Unterlippe, hatte ich mir doch geschworen ihm niemals diese Frage zu stellen. Und doch war sie mir entschlüpft. Mit Bangen betrachtete ich seine wachen klaren Augen und betete, er würde nicht gehen. Zu lange war es her, dass ich seinen warmen Atem auf meiner Haut spüren durfte.

„Du, weißt wie ich bin. Ich komme, wenn du es am wenigstens erwartest und gehe, wenn du mich am meisten brauchst.“ Sein Lächeln war aufrichtig und ich wusste, dass er nichts dafür konnte. So war er nunmal. Das war sein innerstes Wesen.

Schon lange hatte ich mich damit abgefunden. Hatte akzeptiert, dass ich seine Anwesenheit nicht erzwingen konnte. Umso schöner war es, wenn er mich plötzlich überfiel. Mich mit seinen sanften Berührungen verführte, mir den Verstand mit einem süßen Kuss stahl.

Ich streckte meine Hand nach ihm aus und berührte seinen Arm. Meine Finger krallten sich in seine leicht gebräunte Haut und hinterließen kleine rote Halbmonde. Die Angst der Augenblick würde so schnell vergehen, wie er gekommen war, saß mir im Nacken. Und doch hatte ich das Urvertrauen, dass er bleiben und mein Leben lang an meiner Seite stehen würde.

Er rückte näher heran und streckte seinen athletischen Körper neben mir aus. Aufgestützt auf einer Hand, sah er mir in die Augen und ich versank in der Leidenschaft seines Blickes. Voller Liebe und Zärtlichkeit strich er mir über die Wange. Deutlich konnte ich die Wärme seiner schlanken Finger auf meiner Haut spüren. Sie hinterließen eine Spur voller Glück und Verheißungen.

Mein Atem beschleunigte sich, als er mit der Hand über meine Brust bis zum Bauch fuhr. Genüsslich schloss ich die Augen und spürte in mich hinein. Das Verlangen, das meinen Körper durchströmte, wuchs ins Unendliche und ich konnte den Moment, in dem er meine Lippen berührte kaum noch erwarten. Das Bild vor meinem Auge begann sich zu formen. Einzelne Linien und Farben nahmen langsam aber stetig Gestalt an.

Das Jucken in meinen Fingerspitzen konnte ich nur noch mit Mühe unterdrücken, aber ich wusste, dass es noch nicht so weit war. Die Geduld, die er mir abverlangte war schier Übermenschlich.

Er beugte sich zu meinem Ohr und sein süßer Atem verschaffte mir Schauer der Glückseligkeit.

„Nach was verlangst du heute?“, flüsterte er mir zärtlich zu. Ich öffnete wieder die Augen und ließ meinen Blick über seine nackte Brust bis zu seinem schönen Gesicht gleiten. Langsam legte ich meine Hand an seine Wange und spürte die harten Bartstoppeln unter den Fingern.

„Nach was immer es dich gelüstet, mein Liebster“, wisperte ich. Ein strahlendes Lächeln zierte seinen verführerischen Mund und ich wusste, dass ich für heute gewonnen hatte. Er würde bleiben, solange bis ich erfüllt sein würde mit jenen Gedanken, nach denen ich so sehr lechzte.

Er schlang seinen Arm um meine Mitte und zog mich so nah an sich heran, dass mich die Hitze seines Körpers umhüllte, wie eine warme Decke.

Die Zeit schien stillzustehen, alles um mich herum war verstummt. Die einzigen Geräusche, die ich hörte, waren die schnellen Schläge unserer Herzen. Wie gebannt sah ich ihm in die Augen, als er sich langsam über mich beugte.

Seine Lippen legten sich zärtlich auf meine und ich schloss voller Verlangen nach mehr meine Augen. In meinem Kopf schien es zu explodieren, als er den zarten Kuss intensivierte und voller Leidenschaft begann mit meiner Zunge zu spielen. Ich versank in dem Gefühl, das mich wie eine Welle ergriff.

Plötzlich vollendete sich das Bild vor meinen Augen, auf das ich so sehr gehofft hatte. Voller Farben leuchtete es so deutlich, als könnte ich es anfassen. Ich öffnete meine Lider und griff nach einem Bleistift und dem Block, die still neben mir auf ihren Einsatz warteten. Voller Elan, erfüllt mit jenem Glücksgefühl, nach dem ich süchtig war, begann ich zu skizzieren. Es war ein Drang, dem ich Platz machen musste und keine Chance hatte dagegen anzukämpfen.

Kurz hob ich meinem Blick, als ich das Rascheln rauen Stoffes hörte. Voller Liebe war mein Blick, als ich ihm zum Abschied ansah. „Danke, mein Geliebter. Du warst und wirst es immer sein, die Liebe meines Lebens, meine Muse.“